KEIN LICHT Von Holger Hettinger: Deutschlandradio Kultur „Kein Licht“, eine Inszenierung aus München von Clara Hinterberger. Wenn Menschen ihre Kommunikationsmittel verlieren, wenn die Sprache versiegt, was bleibt? Clara Hinterberger hat hier eine Lösung gefunden, die fasziniert. Sie hat die Sprache der Jelinek durchrhythmisiert, durchmusikalisiert und das ganze mehr oder weniger als Sprechpartitur aufgefasst. Menschen sind Isntrumente und Instrumente sind Menschen: Da muss ich sagen, wenn ich so was sehe, wie präzise, wie rhythmisch genau, wie tonal eindeutig gearbeitet wurde, ganz groß, ganz wunderbar, hat funktioniert. Toll, intensiv, frappierend. Also mein Fazit, das war ein toller, konsistenter, packender, intensiver Theaterabend.“

KEIN LICHT Von Friederike Felbeck. Nachtkritik.de
Verlust der Sprache
„ (…)Wie außer Konkurrenz zeigte am letzten Abend Clara Hinterberger ihre Sicht auf Elfriede Jelineks “Kein Licht”. Im Foyer empfangen Streicher mit den “Jahreszeiten” von Piazzola, nur um die Zuschauer dann in einen bedrohlichen Maschinenraum zu entlassen, in dem sich riesige Luftkissen lautstark aufblähen. Ein ungewöhnlich klarer und dezidierter Abend, der Jelineks Text wie eine Partitur liest und die gesellschaftliche Auswirkung der unbenannten Katastrophe von Fukushima als Verlust von Sprache konsequent durchdekliniert. (…)“

 

KEIN LICHT Von Petra Hallmayer. Süddeutsche Zeitung
„(…) In Kein Licht entwirft Jelinek ein gespenstisches Endspiel nach dem Gau, führt das Versagen der Sprache angesichts des Unfassbaren vor, das Schauderwelsch der öffentlichen Rede. Wenn sich eine Tür öffnet, hinter der ein Trio im warmen Lampenschein musiziert, erscheint das wie die nostalgische Erinnerung an illusorische Geborgenheiten. In einer klugen und eindringlichen Szene beschwört eine Frau eine übermächtige schuldige Instanz. Deswegen hätten sie nicht gleich das ganze Meer schicken müssen, erklärt sie und fügt mit schreckensweiten Kinderaugen flüsternd hinzu: Wer immer sie sind. Und wie die Schauspieler ein an die Performances von Jandl & Co erinnerndes Sprechduett mit grollend rollenden Rs und zerhackten Silben präsentieren, das ist wirklich fabelhaft.“

AUDIOGRAMM
von Christoph Leibold. THEATER DER ZEIT

„(…)Theatermacherin Clara Hinterberger hat eine Art Hausnummernrevue komponiert, in der die Schauspielerin Ines Hollinger als moderne Großstadt-Anthropologin mit geradezu kindlich munterem Forscherdrang und darunter liegender Melancholie den (un-)gelebten Leben hinter den beschlagenen Glasscheiben der Terrariensiedlung nachspürt.(…)“

AUDIOGRAMM  Von Sabine Leucht. Süddeutsche Zeitung Das Theater Hoch X ist eröffnet „(…) Clara Hinterbergers “Audiogramm. Eine Stadtteilkomposition” beginnt vielversprechend als Installation von verlassenen Terrarien unterschiedlicher Größe, tastet sich verbal an die Entenbachstraße und das Theaterhaus mit der Nummer 37 heran, wo bei den Renovierungsarbeiten ein Orchestergraben freigelegt werden konnte. Dort hinein tröpfelt ein Chor aus einem guten Dutzend Frauen: wispert, summt und stimmt ein Schlaflied an. (…)“

HÄNDEL.KAFKA.KLEE – eine Collage von Rita Argauer. Süddeutsche Zeitung „ (…) Händel Kafka Klee in der Regie von Clara Hinterberger Komplizierte Zeiten brauchen komplizierte Bilder. Die Collage besteht bei Hinterberger allerdings nicht nur aus dem Mischen verschiedener Materialen, in der performativen Kunst wird das zwangsläufig mehrdimensional. Folglich werden Kunstformen, Sprache, Autoren wie Themen gegeneinander gesetzt: Händels Barockarien treffen auf Heiner Goebbels Surrogate Cities und philosophische Texte auf Tagebucheinträge und Prosa. (…) Wie in einem DJ-Set ist das Streichquintett unter der musikalischen Leitung von Tobias Peschanel eingesetzt, wenn die Barockmusik immer wieder zwischen Goebbels elektronischen Klänge vom Band gescratcht wird. (…) Es werden die verschiedenen Formen und Phrasen der Kunst ausgeleuchtet.”

COSI FAN TUTTE Von Julia Spinola, DIE ZEIT Vier Inszenierungen von Mozarts “Così fan tutte” in Berlin fragen nach der Zukunft der Opernregie. Und finden radikale Antworten
„(…) Die jüngere Generation stellt längst viel grundsätzlichere Fragen und fordert den Einzug des Performativen ins Musiktheater, eine szenische Sprache, die den Werken “auf Augenhöhe” begegnen solle. (…) Sie strebt eine Freiheit an, die im Schauspiel gängige Praxis ist: Der Regisseur sieht sich nicht länger als Geschichtenerzähler, sondern als Autor zweiter Potenz, der den Text als Material und Anlass für neue Bühnenschöpfungen betrachtet. (…) Lässt das die Radikalität, den Reichtum, die Sprengkraft der Mozartschen Musik nun mit neuen Ohren hören, wie es die erklärte Absicht war? (…)